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Wissenschaftler:in in der Industrie

Leitung Forschung und Entwicklung

Kurzbeschreibung zum Berufsbild

Als Wissenschafler:in in der Industrie bist Du spezialisiert auf ein Forschungsgebiet und kannst ähnlich zur Arbeit an einer Universität noch direkt in Labor an Deiner Forschung arbeiten. Du planst Deine Versuche und bist für deren Durchführung sowie Auswertung zuständig. Dabei bist Du meistens Teil eines Teams und musst Deine Forschungsfortschritte regelmäßig Deinen Kolleg:innen präsentieren.

Berufsbilder-Interview

mit Henning Bischoff, Leiter Forschung & Entwicklung

Was machst Du bei Deiner täglichen Arbeit typischerweise?

Ich arbeite als Leiter des Bereichs Forschung und Entwicklung. Hier betreue ich die Entwicklung von diagnostischen Methoden wie PCRs, Sanger Sequenzierung, Next generation sequencing (NGS) oder auch ELISAs. Da Anicon ein eher kleines Unternehmen ist (ca. 200 Mitarbeiter) betreue ich auch Kunden und leiste hier technischen Support. Probleme beim Kunden haben auch immer besondere Priorität, da in der Veterinärmedizin Schnelligkeit eine große Rolle spielt.

 

Wie teilt sich Deine Zeit auf in Büroarbeit/Meetings/Laborzeit/Reiseanteil?

Die meiste Zeit verbringe ich im Büro vor dem Bildschirm. Routinearbeiten im Labor führe ich gar nicht durch. Diese Aufgaben werden von den technischen Angestellten übernommen. Natürlich sind Meetings auch ein Bestandteil meiner Arbeit, welcher bis jetzt aber noch relativ gering ist (ca. 20%). Bis vor 2 Jahren (vor Beginn der Corona-Pandemie) spielten auch Reisen eine größere Rolle, insbesondere zum Kundensupport, im Rahmen von Konferenzen oder zu Besuchen bei Zulieferern.

 

Wie flexibel kannst Du Dir Deine Zeit selbst einteilen? Musst Du am Wochenende oder in der Nacht arbeiten?

Durch den hohen Anteil an Büroarbeit kann ich mir meine Zeit sehr flexibel einteilen. Wichtig ist mir jedoch eine möglichst große Überschneidung mit technischen Angestellten zu haben, welche oft früh anfangen oder halbtags arbeiten. Daher startet mein Arbeitstag gegen 8 Uhr. Nach hinten raus gibt es praktisch keine Grenze. Ich schätze meine Arbeitszeit auf ca. 45 – 50h die Woche ein. Durch die Coronadiagnostik, welche in den letzten 2 Jahren hinzugekommen ist, konnte es jedoch auch schon mal mehr werden.

 

Welche Stärken und Fähigkeiten brauchst Du für Deinen Beruf (soft und hard skills)?

Wie immer braucht man in der Forschung eine hohe Frustrationstoleranz. Hinzu kommt, dass man für den veterinärdiagnostischen Bereich belastbar sein sollte, da der Zeitdruck oft sehr hoch ist. Auch eine gewisse zeitliche Flexibilität ist wichtig, da auch Arbeit am Wochenende nicht ganz ausgeschlossen ist. Und, wie so oft unverzichtbar: Teamfähigkeit. Gerade ein guter Umgang mit technischen Angestellten und die Koordination dieser ist wichtig für ein gutes und effektives Arbeitsklima. Neben den soft skills spielen natürlich auch hard skills eine wichtige Rolle. Ein grundlegendes molekularbiologisches Verständnis ist absolute Voraussetzung. Wissen zu Proteomics und PCR ist von Vorteil, auch wenn vieles erst im Job erlernt werden kann.

 

Welchen Abschluss hast Du? Hast Du eine Weiterbildung absolviert und/oder eine Zusatzqualifizierung erworben?

Ich habe in Lübeck Molecular Life Science studiert und meinen Master of Science gemacht. Was jedoch neben meinem Abschluss auch eine große Rolle gespielt hat, denke ich, ist mein landwirtschaftlicher Hintergrund, da meine Eltern einen Milchviehbetrieb führen. Ich weiß also aus eigener Erfahrung, welche Erreger besonders schlimm sind fürs Tier und wann es unbedingt auf Schnelligkeit ankommt. Offizielle Weiterbildungen habe ich nicht belegt, jedoch besuche ich Konferenzen und habe mich im Rahmen meiner Arbeit in Datenauswertung von NGS Daten weitergebildet. Als Zusatzqualifizierung würde ich meine ehrenamtliche btS Mitgliedschaft sehen, da ich Rahmen der btS in Lübeck auch schon ein Preis gewonnen habe.

 

Welche Berufserfahrung hast Du mitgebracht und wie bist Du letztendlich zu Deiner jetzigen Position gekommen? Warst Du auf Vitamin B angewiesen?

Es ist mein erster Job nach dem Studium. Ich hatte hier bereits während meines Masters ein Pflichtpraktikum gemacht, auf welches ich mich initiativ beworben habe. Nach dem Praktikum bin ich zurück an die Universität für meine Masterarbeit. Das Jobangebot kam dann vom Unternehmen, welches einen Ersatz für eine Kollegin in Mutterschutz gesucht hat. Aus der ursprünglichen Übergangslösung wurde dann ein unbefristeter Arbeitsvertrag. Mein eigentlicher Plan nach dem Studium war eine Promotion, diese kann ich jetzt berufsbegleitend im Unternehmen durchführen.

 

Welche Tipps hast Du für alle, die sich auch vorstellen können in Deinem Beruf zu arbeiten?

Das wichtigste ist, eine Stelle zu finden, die genau zu einem passt. In meinem Fall war das der Schnittpunkt zwischen Veterinärmedizin, Landwirtschaft, Molekularbiologie und Forschung. Mit meinem landwirtschaftlichen Hintergrund und meinem molekularbiologischen Interesse passe ich eben auch sehr gut zu dem Unternehmen. Außerdem würde ich Euch auf jeden Fall raten der btS beizutreten (falls das noch nicht der Fall sein sollte). Gerade beim Berufsstart, wenn man noch keine Ahnung von Gehältern und Co hat, können btS Alumni sehr hilfreich sein. Deswegen scheut Euch nicht davor, Kontakt zu anderen Mitgliedern aufzunehmen, um Eure Fragen loszuwerden. Und zuletzt, was ich gerne vorher gewusst hätte, ist das unbefristete Arbeitsverträge in der ersten Einstellung sehr unüblich sind. Hier darf man sich also nicht über einen befristeten Vertrag wundern!

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Autorin

Juliane Müller (Doktorandin, Julius-Maximilians-Universität Würzburg) engagiert sich in ihrer Freizeit bei der btS und möchte andere Studierende bei der Berufsorientierung unterstützen. Kurzum, Juliane möchte Euch einen Blick in die Berufswelt ermöglichen und interviewt hierfür Berufserfahrene aus der Life Science Branche.