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Mit 8 Tipps eigenständig Programmieren in den Life Sciences lernen

Programmieren – eine Notwendigkeit für Life Sciences Studierende?

Du brauchst keine Angst zu haben! Als Biologiestudentin hatte ich unglaublich große Angst vor dieser Blackbox namens „Computer“. Diese wurde verstärkt dadurch, dass mir regelmäßig Personen erzählten, dass ich für meine Bachelor-, Master-, Doktorarbeit diese und jene Auswertesoftware oder Programmiersprache beherrschen sollte. Allerdings wurden mir diese Skills im Studium selbst nicht beigebracht. Das Thema Computer/IT/Programmieren wurde daher eine immer größere Bedrohung für mich. Dasselbe Phänomen beobachte ich auch bei Kommiliton:innen und möglicherweise geht es Dir im Moment genauso. Die gute Nachricht ist, wenn Du erstmal die erste Hürde überwunden hast, schwindet auch die Angst. Ich habe dies geschafft und Du kannst es auch schaffen. Hier erkläre ich Dir wie.

Entscheide Dich für eine Programmiersprache! Es gibt eine unglaubliche Vielfalt an Programmiersprachen. Woher weißt Du, welche die Richtige für Dich ist? Als Erstes würde ich Dir empfehlen Dich umzuhören, welche Sprache in dem Institut verwendet wird, in welchem Du eventuell Deine Thesis schreiben wirst. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Humangenetiker, Psychologen und Ökologen eher R und Biophysiker eher MATLAB oder Python verwenden. Falls Du niemanden persönlich fragen kannst, wäre es auch eine Idee für Dich interessante Paper zu suchen und zu schauen, mit welcher Programmiersprache die Autor:innen ihre Daten ausgewertet haben. Ich selbst habe mit Python angefangen. Danach habe ich R gelernt, dann mit MATLAB gearbeitet und jetzt im Moment lerne ich Java.

 

Wo findest Du Informationen zum Start?

Finde Buddies! So weit so gut, Du hast Dich für eine Programmiersprache entschieden, aber wie fängst Du nun an? Zuerst würde ich Dir empfehlen, Dir zwei Coding-Buddies zu suchen – eine:r, der/die die Programmiersprache schon gut kennt und Dir bei Fragen helfen kann und eine:r, der/die mit Dir zusammen von Null an anfängt. Es ist kein Problem, wenn Du keine Person kennst, welche Dir bei Fragen zur Seite stehen kann. In dem Fall sieh Google als Deinen Freund an.

Verwende Onlineplattformen! Meiner Erfahrung nach bieten Onlinekurse die beste Möglichkeit sich mit dem Programmieren vertraut zu machen. Ich beispielsweise habe edx.org verwendet. Dort sind alle Kurse umsonst. Es gibt Videos & Anleitungen, wie man die Programme, welche man fürs Programmieren benötigt, herunterlädt. Außerdem findest Du dort Übungsaufgaben. Generell sind die Kurse sehr interaktiv gestaltet. Trotzdem kannst Du Deine Lernsessions flexibel in Deinen Alltag einbinden. Meine btS Kollegin Friederike Neuheuser empfiehlt den Python Bootcamp von udemy.com. Eine weitere Alternative wären die Kurse von techlabs.org, welche von jungen Menschen ehrenamtlich aufgesetzt werden und sowohl modern als auch kostenfrei sind. Außerdem bieten einige Universitäten Online-Programmierkurse an (z.B. die Stanford University). Einige Plattformen bieten gegen Geld Zertifikate an. Meiner Erfahrung nach brauchst Du diese allerdings nicht zwingenderweise, sofern Du Deine Programmierkenntnisse in einem Projekt unter Beweis stellen kannst.

Nutze YouTube Videos! Um eine Programmiersprache strukturiert zu lernen, ist YouTube definitiv nicht ausreichend. Allerdings gibt es unglaublich guten Content auf YouTube, den Du neben Deinen Onlinekursen verwenden kannst. Dies empfiehlt sich besonders, wenn Du ein bestimmtes Konzept aus dem Kurs nicht verstanden hast oder wenn Du mal im Zug Zeit vertreiben willst. Versuche so oft wie möglich mit dem Thema in Kontakt zu treten – YouTube Videos sind dafür die einfachste Variante. Besonders empfehlen kann ich Dir den YouTube Kanal meiner btS Kollegin Tasja Arriens mit dem Namen „digiTasja“. Sie hat selbst zuerst ein Studium im Bereich Life Sciences abgeschlossen, während ihres Bachelors Python gelernt mithilfe des Buches „Learn Python3 the Hard Way“ (Zed Shaw) und hat vor Kurzem zu einem Informatikstudium gewechselt. Sie gibt praxisnahe Tipps aus erster Hand zum Thema Programmieren und Informatikstudium.

 

Wie bleibst Du dran, und wie machst Du weiter?

Zeitmanagement! Je nach Deinem persönlichen Zeitkontingent solltest Du Dir feste Zeiten für das Programmieren setzen, z.B. Montag und Mittwoch je zwei Stunden von 16 bis 18 Uhr. Somit integrierst Du das Lernen in Deinen Alltag und es bekommt eine Priorität ähnlich zu anderen Vorlesungen. Mache keine zu langen Programmierpausen, da Du in der Zwischenzeit alles vergessen wirst – Programmieren ist Übung, genauso wie bei jeder anderen Sprache auch.

Projekte! Wenn Du die ersten Erfolge in den Onlinekursen errungen hast, ist es wichtig auch außerhalb dieser Kurse Projekte zu verfolgen, um Gelerntes anzuwenden. Diese können selbst ausgedacht sein, z.B. ein TicTacToe Spiel zu programmieren oder bereits publizierte Auswertungen „nachzuprogrammieren“. Falls Du eher kompetitiv bist, würde ich Dir Coding Challenges auf der Plattform Codewars.com empfehlen. Dort kannst Du Programmierprobleme lösen und Dich gleichzeitig mit anderen Teilnehmenden messen. Die Webpage Rosalind.info bietet auch Coding Challenges speziell für die Bioinformatik.

Anwendung im Studium! Im finalen Schritt setze Deine neuen Fähigkeiten im Rahmen Deines Studiums ein. Dafür eignen sich besonders gut Forschungsprojekte oder Bachelor-/Masterarbeiten, die Du sowieso absolvieren musst. Suche Dir eine Forschungsgruppe, welche Deine erlernte Programmiersprache verwendet und frage nach einem Projekt, bei dem Du diese brauchen wirst. Erst in diesem Schritt wirst Du das Programmieren wirklich lernen – ungeahnte Probleme lösen, lange Skripte schreiben, eigene Algorithmen entwickeln, mit anderen Personen Projekte teilen, Codes anderer verstehen und vieles mehr. Ich habe nach meinen Onlinekursen ein Praktikum im Institut für Humangenetik absolviert und dort mit R DNA Methylierungsdaten analysiert. Dies war der entscheidende Punkt, an dem ich mich wirklich in R zuhause gefühlt habe. Lass Dich nicht von Personen wie mir, die von ihren Erfolgen erzählen, verunsichern. Auch wir haben permanent unzählige Tabs offen und suchen ununterbrochen im Internet nach Lösungen für unsere Probleme – das ist ganz normal und man ist trotzdem ein guter Programmierer oder eine gute Programmiererin. Nutz diese Berichte als Motivation, Deine eigenen Erfahrungen zu machen!

Ich wünsche Dir viel Glück bei Deinem Weg, die Life Sciences und die Informatik zu kombinieren und bin mir sicher, dass Du es auf Deine eigene Art und Weise schaffen wirst!

 

Die Nennung und Verlinkungen von Programmiersprachen, Software, Websites und Personen basiert auf persönlichen Erfahrungen und Tipps der Autorin sowie anderer Vereinsmitglieder. Für die Nennung und Verlinkungen erhalten wir keinerlei finanzielle oder anderweitige Gegenleistung/Vergütungen.

Gesa Freimann

Master Bioinformatik, Universität Tübingen

Gesa Freimann hat ihre Leidenschaft für das Programmieren in ihrer Freizeit neben ihrem Biologie- und Biophysikstudium entdeckt und sich die ersten Kenntnisse selbst angeeignet. Nun möchte sie als Mitglied der btS ihre Tipps und Tricks an andere Studierende und Promovierende weitergeben.